Am 30. März 2026 fand das Kick-off-Meeting des Forschungsprojekts LunarCobot statt. Daran beteiligt ist die Universität Stuttgart mit ihrem Institut für Raumfahrtsysteme. In den kommenden drei Jahren wird die Universität Stuttgart gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Universität Bremen an dem Vorhaben arbeiten.
Im Fokus von LunarCobot steht die Weiterentwicklung robotischer Technologien für den Einsatz auf der Mondoberfläche sowie insbesondere Multi-Robot Missionsszenarien. Kollaborative Roboter - sogenannte Cobots - und Verbünde aus robotischen Systemen mit unterschiedlichen Fähigkeiten spielen dabei eine zentrale Rolle, da diese gerade unter komplexen Anforderungen und Randbedingungen anspruchsvolle Missionen umsetzen können.
Damit kann ein großer Beitrag zur Erkundung bisher unerforschter Regionen auf der Mondoberfläche geleistet werden. Dies gilt besonders für schwer zugängliche Umgebungen wie Krater und Höhlensysteme. Ein zentraler Forschungsschwerpunkt des Projekts ist die gezielte Weiterentwicklung von Hard- und Software, um den Technologiereifegrad (Technology Readiness Level, TRL) verschiedener robotischer Systeme zu erhöhen. Zum Projektabschluss ist unter anderem eine Erprobung der entwickelten Technologien in der LUNA Analog Facility des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt geplant.
An der Universität Stuttgart arbeitet das Team um Moritz Gewehr an der Entwicklung von Roversystemen mit nur wenigen Kilogramm Gesamtmasse, die über ein Kabel – einem sogenannten Tether - mit ihrem Basismodul verbunden sind. Ein Tether sorgt dabei gleichzeitig für die Energieversorgung und Datenübertragung und kann zudem zur mechanischen Sicherung beitragen. „Hybride Tether kombinieren all diese Funktionen und eröffnen ganz neue Missionsszenarien“, erläutert Moritz Gewehr. „So können wir gerade kleine, leichte und mobile Systeme entwickeln, die beispielsweise auch in verschattete Krater oder Höhlen vordringen können, während sie auch über eine längere Missionsdauer weiterhin zuverlässig mit Energie versorgt und gesteuert werden können.“
Darüber hinaus arbeitet das Team im Rahmen von LunarCobot an innovativen Mobilitätslösungen für planetare Oberflächen, wie hochintegrierten Antriebssystemen mit geringem Ressourcenbedarf, um sich zuverlässig auf der staubigen Regolith-Oberfläche des Mondes fortzubewegen.
Beim Projektpartner DFKI - genau genommen beim Robotics Innovation Center (RIC) in Bremen - werden multifunktionale Schnittstellen für das Handling von Nutzlastmodulen durch Mondroboter entwickelt. Zudem entstehen leistungsfähige Antriebseinheiten für dynamische Anwendungen. In Software und Simulation arbeitet das RIC des DFKI an Führungs-, Navigations- und Steuerungssystemen (GNC) sowie an Verfahren zur Kartierung verschatteter Regionen. An der Universität Bremen werden im Projekt LunarCobot Modelle für die Koordination heterogener Roboterschwärme entwickelt. Ziel ist eine effiziente Interaktion und Aufgabenverteilung zwischen den Systemen.
LunarCobot fügt sich sowohl in nationale als auch in internationale Raumfahrtstrategien wie die ESA-Initiative Terrae Nova und NASA`s Moon to Mars Architektur ein, die den Mond als Ausgangspunkt für weiterführende Missionen im All vorsehen. Robotische Systeme spielen dabei eine Schlüsselrolle, etwa bei der Vorbereitung von Infrastruktur und der Durchführung wissenschaftlicher Experimente.
Auch in der Lehre wird das Projekt verankert sein und Studierende der Universität Stuttgart können sich bereits während ihrer Ausbildung aktiv einbringen. „Schon in diesem Sommersemester bieten wir mehrere studentische Arbeiten im Kontext von LunarCobot an“, so Gewehr. „Zudem wird das Projekt eine wichtige Rolle in unserem Praktikum Roverentwicklung spielen, das traditionell im September mit unserer Rover-Challenge abschließt.“
LunarCobot ist gefördert durch das DLR über das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, Förderkennzeichen: 50RA2601C).
Kontakt:
Moritz Gewehr M.Sc.
IRS – Projektleiter LunarCobot
Tel.: +49 711-685-69602
E-Mail: gewehr@irs.uni-stuttgart.de
Dr. Dörte Mehlert
IRS-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 711-685-69632
E-Mail: doerte.mehlert@irs.uni-stuttgart.de
Weitere Links zur News:
- LunarCobot-Projektseite am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (dfki), in Bremen
- LUNA Analog Facility des DLR und der ESA in Köln
Luft- und Raumfahrtforschung an der Universität Stuttgart
Die Stuttgarter Luft- und Raumfahrt ist eine bundesweit einzigartige interdisziplinäre Ideenschmiede für Schlüsseltechnologien im All und auf der Erde. Forschende der Universität Stuttgart bündeln Expertisen auf den Gebieten der Klima- und Energieforschung, Kommunikationstechnologie, Antriebstechnik sowie des KI-basierten Fliegens. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Erforschung nachhaltiger technologischer Lösungen, die die ökologischen Auswirkungen der Luft- und Raumfahrt minimieren sollen. Geforscht wird interdisziplinär und im engen Dialog mit regionalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie, etwa im Rahmen der Sonderforschungsbereiche ATLAS (SFB 1667) und SynTrac (SFB-TRR 364). Als Partner von THE Aerospace LÄND trägt die Universität Stuttgart zur Umsetzung der baden-württembergischen Landesstrategie bei, die Luft- und Raumfahrt bis 2050 nachhaltig, digital und kooperativ zu machen. Ihren Studierenden bietet die Universität eine fundierte ingenieurwissenschaftliche und anwendungsorientierte Ausbildung. In der Nachwuchsförderung kooperiert sie mit der „Zukunftsoffensive Luft- und Raumfahrt-Nachwuchs“, einer Initiative des Landes Baden-Württembergs, die sich für die Stärkung der Nachwuchsförderung in den MINT-Fächern engagiert.